Nein zur Chaos-Initiative: Die Schweiz braucht Lösungen statt starre Grenzen
Die Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz!» gibt vor, Ordnung zu schaffen. Tatsächlich würde sie das Gegenteil bewirken: mehr Unsicherheit, mehr Bürokratie und weniger Handlungsspielraum für die Schweiz. Nicht ohne Grund wird sie deshalb auch als Chaos-Initiative bezeichnet. Die Zuger Wirtschaftskammer lehnt die Vorlage klar ab.
Unser Land steht vor realen Herausforderungen. Wohnraum, Infrastruktur, Mobilität, Integration und Fachkräftemangel beschäftigen Bevölkerung, Politik und Wirtschaft gleichermassen. Diese Themen verdienen ernsthafte Antworten. Eine starre Bevölkerungsobergrenze ist jedoch keine Lösung. Sie ersetzt pragmatisches Handeln durch einen Automatismus, der den tatsächlichen Bedürfnissen unseres Landes nicht gerecht wird.
Gerade der Arbeitsmarkt zeigt, weshalb Flexibilität entscheidend ist. In Spitälern, Pflegeheimen, Schulen, auf Baustellen, im Gewerbe, in der Hotellerie, in der Gastronomie und in innovativen Unternehmen fehlen bereits heute qualifizierte Mitarbeitende. Diese Fach- und Arbeitskräfte sichern Versorgung, Wertschöpfung, Wachstum und Lebensqualität. Wer den Zugang zu ihnen künstlich einschränkt, schwächt nicht nur die Wirtschaft. Er erhöht auch den Druck auf die Sozialwerke und die Altersvorsorge.
Besonders problematisch wäre zudem die Wirkung auf die internationalen Beziehungen der Schweiz. Der bilaterale Weg mit Europa hat unserem Land Stabilität, Marktzugang und Wohlstand gebracht. Unternehmen profitieren von verlässlichen Rahmenbedingungen, Forschende von grenzüberschreitender Kooperation und junge Menschen von Mobilität und Chancen. Dies leichtfertig aufs Spiel zu setzen, wäre ein unnötiges Risiko. Für eine international vernetzte Wirtschaftsregion wie Zug gilt das in besonderem Mass.
Hinzu kommt: Die Schweiz ist erfolgreich, weil sie föderalistisch organisiert ist. Kantone und Gemeinden kennen ihre Bedürfnisse am besten. Sie entscheiden vor Ort über Raumplanung, Verkehr, Entwicklung und Wachstum. Eine starre Verfassungsnorm würde sehr unterschiedliche Realitäten über einen Kamm scheren und bewährte Handlungsspielräume einschränken. Genau diese Flexibilität ist aber zentral, um lokal tragfähige Lösungen zu finden.
Ein Nein zur Chaos-Initiative bedeutet nicht, dass kein Handlungsbedarf besteht. Im Gegenteil. Die bestehenden Herausforderungen müssen entschlossen angegangen werden. Dazu gehören schnellere Bewilligungsverfahren, Investitionen in Mobilität und Infrastruktur, flexiblere Konzepte für zusätzlichen Wohnraum, gezielte Weiterbildung, eine bessere Nutzung des inländischen Arbeitskräftepotenzials, stärkere Integration sowie Anreize für längere Erwerbstätigkeit.
Die Zuger Wirtschaftskammer steht für diesen lösungsorientierten Weg. Die Schweiz war immer dann stark, wenn sie Herausforderungen mit Innovationskraft, Pragmatismus und Offenheit begegnet ist. Genau diese Haltung braucht es auch jetzt: Probleme anpacken statt Grenzen verwalten, Chancen schaffen statt Zukunft blockieren.
Tabea Estermann
Vorstand Zuger Wirtschaftskammer, Kantonsrätin GLP
Weitere Informationen zur Initiative finden Sie unter folgendem Link.
