Regierungsratswahlen 2026: Drei Fragen zur Zukunft des Wirtschaftsstandorts Zug
Am 4. Oktober 2026 wählt die Zuger Bevölkerung den Regierungsrat für die kommende Legislatur. Für den Wirtschaftsstandort Zug stehen dabei wichtige Weichenstellungen an: Wie lassen sich die hohe Standortqualität und die guten Rahmenbedingungen langfristig sichern? Wo besteht Handlungsbedarf und wie soll das Zusammenspiel zwischen Wirtschaft, Politik und Verwaltung künftig gestaltet werden?
Die Zuger Wirtschaftskammer hat allen Regierungsratsmitgliedern, die sich am 4. Oktober zur Wiederwahl stellen, dieselben drei Fragen gestellt. Ihre Antworten zeigen, welche Themen sie für besonders relevant halten, welche konkreten Prioritäten sie für die kommende Legislatur setzen und was die Zuger Wirtschaft von ihnen erwarten darf.
Laura Dittli | Sicherheitsdirektion
- Der Kanton Zug gehört zu den stärksten Wirtschaftsstandorten der Schweiz. Welche Standortfrage wird aus Ihrer Sicht heute noch unterschätzt und wie sollte der Kanton bereits jetzt darauf reagieren?
Unterschätzt wird die Resilienz: Arzneimittel, Energie, digitale Infrastruktur und Fachkräfte müssen auch in Krisen verfügbar sein. Zug sollte deshalb bereits heute in Versorgungs- und Cybersicherheit, Bildung sowie in eine krisenresistente Zusammenarbeit von Staat und Wirtschaft investieren.
- Gute Finanzen und starke Rahmenbedingungen sind keine Selbstverständlichkeit. Welche konkrete Massnahme möchten Sie in der nächsten Legislatur umsetzen, damit Zug als Wohn-, Lebens- und Wirtschaftsraum attraktiv, effizient und innovationsfähig bleibt?
Konkret will ich unter anderem die Cybersicherheit gezielt stärken, beispielsweise mit dem Aufbau des Kantonalen Kompetenzzentrums für Cybersicherheit. In enger Zusammenarbeit von Behörden, Wirtschaft und Bevölkerung will ich die Sicherheit erhöhen und Zug als attraktiven Standort sichern.
- Die Zuger Wirtschaft lebt von kurzen Wegen und einem guten Zusammenspiel zwischen Unternehmen, Politik und Verwaltung. Was erwarten Sie von den Unternehmen im Kanton Zug und was darf die Wirtschaft im Gegenzug von Ihnen erwarten?
Ich erwarte von den Unternehmen, dass sie weiterhin Verantwortung übernehmen: für sichere digitale Infrastrukturen, die Ausbildung und den gesellschaftlichen Zusammenhalt, insbesondere im Bereich der sprachlichen Integration. Im Gegenzug dürfen sie von mir eine verlässliche Politik, kurze Wege und eine partnerschaftliche Zusammenarbeit erwarten.
Andreas Hausheer | Gesundheitsdirektion
- Der Kanton Zug gehört zu den stärksten Wirtschaftsstandorten der Schweiz. Welche Standortfrage wird aus Ihrer Sicht heute noch unterschätzt und wie sollte der Kanton bereits jetzt darauf reagieren?
Ein Spitzenstandort lebt von den Menschen und ihren Ideen. Oft unterschätzt wird die Frage, ob Zug auch künftig genügend Fachkräfte gewinnen und halten kann. Dafür braucht es Innovation, rasche Verfahren, genügend Wohnraum und eine hohe Standortqualität. So bleibt Zug für Talente attraktiv und für Unternehmen wettbewerbsfähig.
- Gute Finanzen und starke Rahmenbedingungen sind keine Selbstverständlichkeit. Welche konkrete Massnahme möchten Sie in der nächsten Legislatur umsetzen, damit Zug als Wohn-, Lebens- und Wirtschaftsraum attraktiv, effizient und innovationsfähig bleibt?
Für einen starken Kanton Zug braucht es mehr Wohnraum, attraktive Frei- und Erholungsräume sowie verlässliche Rahmenbedingungen für Unternehmen. Eine effiziente Verwaltung, klare und schlanke Verfahren sowie eine vorausschauende, pragmatische Politik schaffen dafür die Grundlage.
- Die Zuger Wirtschaft lebt von kurzen Wegen und einem guten Zusammenspiel zwischen Unternehmen, Politik und Verwaltung. Was erwarten Sie von den Unternehmen im Kanton Zug und was darf die Wirtschaft im Gegenzug von Ihnen erwarten?
Ich erwarte von den Unternehmen Innovationskraft, Verantwortung und die Bereitschaft, den Standort Zug aktiv mitzugestalten. Sie dürfen von mir eine verlässliche Politik erwarten, die den Dialog pflegt, rasch entscheidet und den Wirtschaftsstandort Zug vorausschauend weiterentwickelt.
Andreas Hostettler | Landammann, Direktion des Innern
- Der Kanton Zug gehört zu den stärksten Wirtschaftsstandorten der Schweiz. Welche Standortfrage wird aus Ihrer Sicht heute noch unterschätzt und wie sollte der Kanton bereits jetzt darauf reagieren?
Die demografische Entwicklung wird unterschätzt. Die Geburtenzahlen sinken, die Lebenserwartung steigt. Zug sollte deshalb jetzt gezielt Fachkräfte gewinnen, familienfreundliche Infrastruktur ausbauen und die Pflegeversorgung frühzeitig stärken. Dazu brauchen wir Konzepte, Strategien und konkrete Massnahmen.
- Gute Finanzen und starke Rahmenbedingungen sind keine Selbstverständlichkeit. Welche konkrete Massnahme möchten Sie in der nächsten Legislatur umsetzen, damit Zug als Wohn-, Lebens- und Wirtschaftsraum attraktiv, effizient und innovationsfähig bleibt?
Wirtschaftliches Wachstum und hohe Lebensqualität müssen ineinandergreifen. Dazu gehören neben guten Rahmenbedingungen und reizvollen Naherholungsgebieten auch bezahlbarer, verdichteter Wohnraum. So bleibt Zug attraktiv für Fachkräfte und Familien, ohne dass Infrastruktur und gesellschaftlicher Zusammenhalt darunter leiden.
- Die Zuger Wirtschaft lebt von kurzen Wegen und einem guten Zusammenspiel zwischen Unternehmen, Politik und Verwaltung. Was erwarten Sie von den Unternehmen im Kanton Zug und was darf die Wirtschaft im Gegenzug von Ihnen erwarten?
Die kurzen Wege sind unsere Stärke – nutzen wir sie. Ich erwarte aktive Mitwirkung, konkrete Vorschläge und Dialogbereitschaft der Unternehmen. Umgekehrt dürfen sie von mir kurze, verlässliche Entscheidungswege, pragmatische Lösungen und ein offenes Ohr für ihre Anliegen erwarten.
Stephan Schleiss | Direktion für Bildung und Kultur
- Der Kanton Zug gehört zu den stärksten Wirtschaftsstandorten der Schweiz. Welche Standortfrage wird aus Ihrer Sicht heute noch unterschätzt und wie sollte der Kanton bereits jetzt darauf reagieren?
Die Versorgungssicherheit beim Strom wird unterschätzt. Dies ist zwar eine Herausforderung, die nicht auf kantonaler Ebene gelöst werden kann. Aber der Kanton Zug kann zusammen mit der Wirtschaft einen Beitrag leisten, insbesondere in der Forschung. Das sollte bei guter Finanzlage noch verstärkt geschehen.
- Gute Finanzen und starke Rahmenbedingungen sind keine Selbstverständlichkeit. Welche konkrete Massnahme möchten Sie in der nächsten Legislatur umsetzen, damit Zug als Wohn-, Lebens- und Wirtschaftsraum attraktiv, effizient und innovationsfähig bleibt?
Es soll in Bildung investiert werden. Wir wollen mit direktionsübergreifenden Projekten erstens die psychische Gesundheit an den Schulen stärken, zweitens die digitale Transformation an den Mittel- und Berufsfachschulen weiterentwickeln und drittens einen Zuger Bildungsbericht «pilotieren».
- Die Zuger Wirtschaft lebt von kurzen Wegen und einem guten Zusammenspiel zwischen Unternehmen, Politik und Verwaltung. Was erwarten Sie von den Unternehmen im Kanton Zug und was darf die Wirtschaft im Gegenzug von Ihnen erwarten?
Ich wünsche mir, dass sich die Unternehmen weiterhin für die Berufsbildung engagieren. Dazu zähle ich auch den regelmässigen Austausch zwischen der Bildungsdirektion und den Verbänden. Die Wirtschaft darf dabei auf das echte Interesse der Verwaltung und die berühmten «kurzen Wege» zählen.
Heinz Tännler | Finanzdirektion
- Der Kanton Zug gehört zu den stärksten Wirtschaftsstandorten der Schweiz. Welche Standortfrage wird aus Ihrer Sicht heute noch unterschätzt und wie sollte der Kanton bereits jetzt darauf reagieren?
Zug sieht sich mit zwei Herausforderungen konfrontiert: Für die Akzeptanz der Standortpolitik in der Bevölkerung muss dem bezahlbaren Wohnraum Beachtung geschenkt werden. Angesichts der geopolitischen Verwerfungen sind Flexibilität und Resilienz gefragt.
- Gute Finanzen und starke Rahmenbedingungen sind keine Selbstverständlichkeit. Welche konkrete Massnahme möchten Sie in der nächsten Legislatur umsetzen, damit Zug als Wohn-, Lebens- und Wirtschaftsraum attraktiv, effizient und innovationsfähig bleibt?
Intelligente Innenverdichtung, unter anderem mit den weissen Zonen, soll bezahlbaren Wohnraum für Zuger schaffen. Die Weiterführung einer liberalen Politik, lieber mit Deregulierung als mit weiterer Regulierung, stärkt die Flexibilität und Resilienz von Wirtschaft, Bevölkerung und Verwaltung.
- Die Zuger Wirtschaft lebt von kurzen Wegen und einem guten Zusammenspiel zwischen Unternehmen, Politik und Verwaltung. Was erwarten Sie von den Unternehmen im Kanton Zug und was darf die Wirtschaft im Gegenzug von Ihnen erwarten?
Von den Zuger Unternehmen erwarte ich primär, dass sie ihre Kernkompetenzen einbringen und erfolgreich wirtschaften. Sie sollen aber auch Mitverantwortung für die Gesellschaft tragen. Im Gegenzug erhalten und schaffen wir günstige Rahmenbedingungen, damit ihnen das gelingt.
Silvia Thalmann-Gut | Volkswirtschaftsdirektion
- Der Kanton Zug gehört zu den stärksten Wirtschaftsstandorten der Schweiz. Welche Standortfrage wird aus Ihrer Sicht heute noch unterschätzt und wie sollte der Kanton bereits jetzt darauf reagieren?
Unterschätzt wird oft der Zugang zu internationalen Märkten. Für den exportorientierten Kanton Zug sind stabile Beziehungen zur EU und neue Freihandelsabkommen zentral. Der Kanton muss sich frühzeitig für wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen und offene Märkte einsetzen.
- Gute Finanzen und starke Rahmenbedingungen sind keine Selbstverständlichkeit. Welche konkrete Massnahme möchten Sie in der nächsten Legislatur umsetzen, damit Zug als Wohn-, Lebens- und Wirtschaftsraum attraktiv, effizient und innovationsfähig bleibt?
Die wohnpolitische Strategie des Regierungsrats gilt es konsequent umzusetzen. Ich setze mich mit Kraft dafür ein, die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit der Zuger Unternehmen mit zukunftsgerichteten Projekten in Bildung, Energie, Bau und Sicherheit sowie mit effizienten Rahmenbedingungen zu stärken.
- Die Zuger Wirtschaft lebt von kurzen Wegen und einem guten Zusammenspiel zwischen Unternehmen, Politik und Verwaltung. Was erwarten Sie von den Unternehmen im Kanton Zug und was darf die Wirtschaft im Gegenzug von Ihnen erwarten?
Die Unternehmen schaffen Arbeits- und Ausbildungsplätze und tragen mit verantwortungsvollem Handeln wesentlich zur Attraktivität des Kantons Zug bei. Sie dürfen von mir einen offenen und verlässlichen Dialog sowie den Einsatz für starke, wirtschaftsfreundliche Rahmenbedingungen erwarten.
Florian Weber | Statthalter, Baudirektion
- Der Kanton Zug gehört zu den stärksten Wirtschaftsstandorten der Schweiz. Welche Standortfrage wird aus Ihrer Sicht heute noch unterschätzt und wie sollte der Kanton bereits jetzt darauf reagieren?
Ein wichtiger Standortfaktor ist eine zukunftsgerichtete und generationenübergreifende Wasserinfrastruktur. Dafür hat der Kantonsrat im Frühling 2026 einen Rahmenkredit von 170 Millionen Franken beschlossen, davon 60 Millionen Franken für den Ausbau der Trinkwasserversorgung.
- Gute Finanzen und starke Rahmenbedingungen sind keine Selbstverständlichkeit. Welche konkrete Massnahme möchten Sie in der nächsten Legislatur umsetzen, damit Zug als Wohn-, Lebens- und Wirtschaftsraum attraktiv, effizient und innovationsfähig bleibt?
Mit der Umsetzung der Wohnpolitischen Strategie 2030 sollen mehr Wohnungen für Zugerinnen und Zuger geschaffen werden. Zudem gilt es, die Verkehrspolitik langfristig auszurichten, mit einer modernen Infrastruktur, guten Verkehrsverbindungen und einer ganzheitlichen Mobilität.
- Die Zuger Wirtschaft lebt von kurzen Wegen und einem guten Zusammenspiel zwischen Unternehmen, Politik und Verwaltung. Was erwarten Sie von den Unternehmen im Kanton Zug und was darf die Wirtschaft im Gegenzug von Ihnen erwarten?
Die Wirtschaft kann einerseits auf die Unterstützung und Dienstleistungsbereitschaft der Verwaltung zählen. Andererseits führt der Wissens- und Erfahrungsaustausch der Unternehmen mit den Behörden zu innovativen Projekten und erhöht die Standortattraktivität.







