Zolldeal mit den USA und was er für Zug und die Schweiz bedeutet

by | 27. January 2026 | Aussenwirtschaft, Standort Zug

Der Zollstreit mit den USA ist vorerst entschärft: Die angekündigten Strafzölle sind von 39 Prozent auf 15 Prozent gesunken. Das bringt exportorientierten Firmen Luft, gerade auch im Kanton Zug. Dennoch bleibt die Kernfrage: Entwarnung oder nur eine Atempause?

 

Herr Letter, ist der Deal ein Erfolg?
Er ist vor allem Schadensbegrenzung. 39 Prozent wären für viele Betriebe existenziell gewesen. 15 Prozent bleiben jedoch ein spürbarer Kostenblock. Zölle verteuern Produkte, stören Lieferketten und beeinflussen Investitionsentscheide. Für einen offenen Standort wie die Schweiz ist das grundsätzlich nachteilig.


Was ist das eigentliche Risiko hinter der aktuellen Einigung?

Dass Handelspolitik zunehmend als Druckmittel genutzt wird. Für die Schweiz heisst das: Rahmenbedingungen können sich abrupt ändern, ohne dass wir sie steuern können. Unternehmen müssen wieder Zollrisiken und politische Unsicherheiten einpreisen. Das bindet Kapital und Aufmerksamkeit, die sonst in Innovation, Produktivität und neue Märkte fliessen würden.


Was bedeutet diese Unsicherheit für Zug?
Zug ist stark international verflochten. Wenn Zölle und geopolitische Spannungen zunehmen, wächst der Anreiz, Funktionen oder Produktion näher an grosse Absatzmärkte zu verlagern. Darum braucht es eine konsequente Standortpolitik: planbar, schnell, verlässlich, und mit einem klaren Fokus auf Wettbewerbsfähigkeit.


Welche innenpolitischen Prioritäten sind jetzt entscheidend?

Verlässliche Rahmenbedingungen, schlanke Regulierung, Innovation, Bildung und Infrastruktur. Unmittelbar bevorstehend ist die Sicherung des bewährten bilateralen Weges mit der EU mit der Umsetzung der Bilateralen III Verträge. Gleichzeitig sollten wir keine zusätzlichen Standort-Risiken schaffen, etwa durch unnötige Verschärfungen bei der Umsetzung internationaler Vorgaben. Entscheidend ist, dass die Schweiz attraktiv bleibt für Investitionen, Forschung und hochwertige Arbeitsplätze.


Sie betonen die EU-Beziehungen. Warum?

Weil die EU unser wichtigster Handelspartner ist und Rechtssicherheit für Industrie, Forschung und Dienstleistungen zentral bleibt. Ohne tragfähige Weiterentwicklung drohen mehr Reibung und weniger Planbarkeit. Das trifft exportorientierte Firmen direkt, aber auch Zulieferer, Start-ups und Forschungspartner.


Kritiker befürchten mehr Bürokratie. Was entgegnen Sie?

Ein geregeltes Verhältnis kann Prozesse vereinfachen, wenn wir pragmatisch umsetzen und Doppelspurigkeit vermeiden. Wichtig ist, auf einen Swiss Finish zu verzichten, der nur Kosten verursacht, ohne erkennbaren Mehrwert. Weniger Komplexität heisst am Ende mehr Tempo.


Was kann der Kanton Zug tun, und was muss der Bund liefern?

Zug kann Standortqualität laufend verbessern: Innovation fördern, digitale Sicherheit stärken, Infrastruktur modernisieren und Fachkräfte ausbilden. Der Bund muss parallel die aussenwirtschaftlichen Beziehungen stabilisieren und verlässliche Rahmenabkommen sichern. Beides gehört zusammen.


Ihr Fazit?

Der Deal verschafft kurzfristig Erleichterung, ist aber ein Weckruf. Wir müssen internationale Stabilität stärken und zugleich die Standortgrundlagen so schärfen, dass Wertschöpfung und Arbeitsplätze in der Schweiz bleiben.

Peter Letter, Vorstandsmitglied der Zuger Wirtschaftskammer und FDP-Kantonsrat
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