Zug in der Welt: Multiforsa-Gründer Peter Meyer-Hegi war ein Pionier der Lebensmittelindustrie

by | 1. April 2025 | Standort Zug

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Der Name Peter Meyer – selbst mit Y – ist nicht dazu prädestiniert, aus dem «who is who» der Zuger Wirtschaftsgeschichte herauszustechen. Doch der Multiforsa-Gründer war ein Pionier der Lebensmittelindustrie. Sein Erbe besteht fort.

Peter Meyer wuchs im aargauischen Villmergen auf und machte zuerst eine Lehre als Coiffeur. Schon früh war für ihn klar, dass er unternehmerisch tätig sein wollte. Etwas produzieren, eine eigene Firma aufbauen, Verantwortung übernehmen – das schwebte ihm vor. In seiner Frau Fritzi Hegi fand er die ideale Partnerin. Mit ihr zusammen gründete er 1946 die Multiforsa. Die Unternehmung spezialisierte sich auf die Herstellung und den Verkauf von Mineralstoffmischungen für Nutztiere und entwickelte sich schon bald zu einer führenden Lieferantin in der Landwirtschaft. Bis dahin fütterten die Schweizer Bauern ihre Nutztiere primär mit hofeigenem Futter. Mit der Beigabe von Zusatzfutter begann eine neue Ära und konnte die Leistung von Zuchttieren deutlich erhöht werden. Der Name Multiforsa galt alsbald als Synonym für Innovation in der industriellen Tierernährung und -gesundheit. Multiforsa produzierte auch als erste Schweizer Firma Kälbermilch, sprich Kuh(mutter)milchersatz.

Angetrieben von einem ausgeprägten Erfolgswillen und ausgestattet mit einer bemerkenswerten Risikobereitschaft erstand Peter Meyer 1955 in Steinhausen (für 15 Franken / Quadratmeter) ein 7000 Quadratmeter grosses Grundstück und baute darauf seine eigene Fabrik samt Labor. «Fabrikant» stand fortan auf seiner Visitenkarte. Dank einem direkten Gleisanschluss konnte die Ware nun direkt ab Fabrik auf die Züge verladen werden. Am Ziel angekommen, wurden die Pakete von den Multiforsa-Aussendienstmitarbeitern mit dem Velo zu den Bauern gebracht. Sie hatten eine Mission: die Landwirte mit den besten Produkten zu versorgen, mit ihnen im ständigen Kontakt zu sein, Sorgen und Nöte abzuhören, die Kunden zu beraten, an sich zu binden. Ab 1960 waren dann schweizweit die berühmten Multiforsa VW-Busse unterwegs und machten die Marke Multiforsa durch ihre Präsenz vor allem im ländlichen Raum noch populärer – eine ebenso wirkungsvolle wie günstige Werbekampagne auf Rädern und Strassen.

Peter Meyer – gesellig, aber auch gesundheitsbewusst – war ein glänzender Kommunikator, ein guter Verkäufer und pflegte intensive Kontakte zur Forschung. Sein wichtigstes Produkt war BIOGERM , das er mit in einem eigens entwickelten Kaltpress-Verfahren aus Weizenkeimen herstellte. Das Tüfteln mit den Weizenkeimen ergab sich durch Zufall. Geplagt von Kopfschmerzen besuchte Meyer-Hegi 1949 die Klinik von Dr. Bircher-Brenner in Zürich, der ihn auf die Vorzüge (Vitamin E!) des Korns aufmerksam machte. BIOGERM (bio = Leben, germe frz. = Korn) fand sich fortan in fast allen Multiforsa-Produkten und wurde zum Verkaufs- und Exportschlager. In Form von Öl oder Granulat bezogen es auch Nestlé, Wander, Galactina und die Migros. Und dem Birchermüesli wurde es ebenfalls beigemischt. Als weitere Innovationen kamen 1952 die Vitamin-Lebertran-Emulsion «ZUGOSIN» auf den Markt, 1963 der Tränkeautomat für Kälber «FORTA-LAC» und 1970 das «Bioforsa-Stress» – ein Beigemisch für mehr Ruhe und Ordnung im Schweinestall. Die Absätze stiegen, der finanzielle Erfolg liess nicht auf sich warten und erlaubten es dem vierfachen Familienvater, in den 1960er Jahren eine grosszügige Villa am Fusse des Zugerbergs zu bauen. Ebenso gönnte sich der weltoffene und neugierige Zuger gelegentlich eine «Safari» im fernen Afrika.

Im Jahre 1980 stieg mit den Söhnen Erich und Daniel die zweite Generation in die Multiforsa ein. Sie baute den Export in 15 Ländern aus und schuf mit der Gründung von ebenso vielen «my Friends PET Shops» ein neues, florierendes Geschäftsfeld für Haustierhalter. Der Verkauf der MULTIFORSA Holding AG mit 300 Mitarbeitern erfolgte im Jahre 2000 auf Basis einer familiären Entscheidung sowie dem Wunsch der dritten Generation, ihre eigenen unternehmerischen Wege ausserhalb der Lebensmittelindustrie einzuschlagen. Die Multiforsa aber gibt es noch immer. Sie zählt 65 Mitarbeiter und beliefert rund 12’000 Landwirte mit Produkten aus dem Bereich Tierernährung- und Gesundheit. Allerdings hat die inhabergeführte Multiforsa ihren Sitz – der Kreis schliesst sich – in den Kanton Aargau zurückverlegt, wo vor 80 Jahren ein Zuger den Multiforsa-Grundstein legte und Wirtschafts- und Agrargeschichte schrieb.

 Mehr zu Multiforsa, Imidin Kühen und Schweinen von Dr. Beat Bächi: «Das Agrarische als Labor des (post)modernen Zug» auf der Plattform Zug in der Welt, dem Forschungsprojekt über die Zuger Wirtschaftsgeschichte.

Das Ehepaar Peter und Fritzi Meyer-Hegi war sowohl privat wie unternehmerisch ein gutes Gespann. Auch für Geselligkeit blieb Zeit. Foto: Familienarchiv Erich Meyer
In Steinhausen erwarb Peter Meyer-Hegi 1955 ein 7000 Quadratmeter grosses Grundstück und realisierte darauf seine Fabrik mit Labor. Foto: Multiforsa-Archiv
Werbung von 1955 für das Produkt Multiforsa 3, ein Spezialfutterzusatz mit Antibiotika und Vitamin B. Foto: Mulitforsa-Archiv / Industriepfad Lorze (IPL0091)
In der Hauszeitung Multiforsa-Post von 1952 wird für Zugosin geworben: eine Vitamin-Lebertran-Emulsion für Schweine, Geflügel und Kälber. Foto: Mulitforsa-Post / Industriepfad Lorze (IPL0082)

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